| ISDN-Protokolle |
In diesem Kapitel geht es um die sogenannten B-Kanal-Protokolle im ISDN. Bei den Stadard-Telematikdiensten, wie Telex, Teletex oder Fax kommen Sie mit diesen Protokollen nicht in Berührung und Sie haben normalerweise auch keine Möglichkeit, etwas zu ändern.
Anders ist es aber bei der Kommunikation mit Mailboxen oder Online-Diensten. Da Sie hier häufig noch Programme verwenden müssen, die eigentlich nur für Modems konzipiert wurden, müssen Sie selbst einstellen, welches Protokoll oder welche Protokolle für den Verbindungsaufbau verwendet werden sollen. Die Einstellungen nehmen Sie in diesem Fall über AT-Befehle vor. Den Befehl zum Einstellen des gesuchten Protokolls finden Sie in der Beschreibung Ihres ISDN-Gerätes (z.B. externen ISDN-Adaptern) oder in der Beschreibung Ihres COM-Port-Emulators.
Hin- und wieder werden Sie in solchen Beschreibungen von Protokollen in Verbindung mit einer sog. "Schicht" lesen (z.B. Schicht 2-Protokoll oder B2-Protokoll). Die Schichten beziehen sich auf das OSI-Schichtenmodell. Bei der Auswahl der ISDN-Protokolle geht es um die Schichten 1 bis 3. Hinter der Bezeichnung des Protokolls wird im folgenden immer angegeben welcher Schicht das Protokoll zuzurechnen ist.
Damit Sie eines dieser Protokolle
wählen können, muss es natürlich auch von Ihrer ISDN-Hardware
unterstützt werden
X.75 (Schicht 2-Protokoll, auch X.75 SLP (= Single Line Protocol), ISO 7776)
Das X.75 Sicherungsprotokoll ist das CAPI-Standardprotokoll und wird von den meisten ISDN-Adaptern unterstützt. Es übernimmt im Prinzip dieselben Aufgaben wie V.42 für Modemverbindungen. Es erweitert die Nutzdaten aus höheren Schichten um Informationen zur Fehlerkontrolle. Die X.75-Schicht des Gegenübers prüft die Daten anhand dieser Informationen und fordert die Daten erneut an, wenn es feststellt, dass sie während der Übertragung verfälscht wurden.
Dieses Protokoll wird normalerweise bei Mailboxverbindungen verwendet. Als Schicht 3-Protokoll (B3-Protokoll) wird dann meist keines verwendet. Man sagt dazu auch Schicht 3 ist transparent oder bittransparent.
Holen Sie Daten aus einer Mailbox, dann verwenden Sie normalerweise ein Übertragungsverfahren wie z.B. ZModem. In ZModem ist aber auch wieder ein Sicherungsverfahren implementiert. Zumindest Teile dieses ZModem-Sicherungsverfahrens könnte man also weglassen, weil ja X.75 schon dafür sorgt, dass keine falschen Daten übertragen werden. Hier zeigt sich, dass das OSI-Schichtenmodell in der Praxis doch nicht so klar eingehalten wird, wie es sein könnte. Hier hängt es damit zusammen, dass ZModem für die Modemkommunikation entwickelt wurde und die Entwickler nicht grundsätzlich davon ausgehen konnten, dass nur gesicherte Modemverbindungen aufgebaut werden. Die Folge ist aber, dass Teilaufgaben der Kommunikation doppelt ausgeführt werden, was natürlich auch Zeit kostet.
Leider ist X.75 nicht immer X.75. Es gibt noch drei Parameter, über die Sie bestimmen können, was Ihr X.75 ist:
Versuchen Sie zu Ihrer
X.75-Mailbox eine Verbindung aufzubauen und das klappt nicht,
dann sollten Sie sich bei Ihrem Sysop erkundigen, welche Werte er
für Datalength und Windosize verwendet. Da viele Mailboxen cFos
verwenden und cFos Datalength 2.048 und Windowsize 2 als
Standardeinstellung verwendet, sollten Sie es zuerst damit
versuchen.
HDLC transparent (Schicht 1b-Protokoll)
HDLC wird normalerweise (automatisch) in Verbindung mit X.75 zur Datensicherung verwendet. Das ist etwa so zu verstehen, dass HDLC die Berechnung und Überprüfung der Prüfsummen übernimmt (Fehlererkennung) und X.75 die erneute Anforderung von fehlerhaften Datenpaketen von der Gegenstelle (Fehlerkorrektur).
Ist eine Fehlerkorrektur nicht unbedingt notwendig (z.B. bei Sprachdiensten) oder übernehmen Protokolle höherer Schichten die Fehlerkorrektur (z.B. ein Übertragungsverfahren wie ZModem), dann muss die Fehlerkorrektur nicht nochmal auf Ebene 2 durchgeführt werden.
HDLC transparent wird z.B. für
die Verbindung zu machen Internet-Providern verwendet. HDLC
transparent wird z.B. auch bei Verbindungen über WAN NDIS
Miniport-Treiber verwendet.
V.110 (Schicht 1b-Protokoll)
Die Aufgabe von V.110 ist es (im asynchronen Modus), einen asynchronen Datenstrom zwischen 300 und 38.400 bps auf dem 64.000 bps ISDN-Datenstrom abzubilden. Da über die Leitung immer 64.000 bps gehen, fügt das Protokoll Füllbits in den Datenstrom ein. Damit gleicht es die Differenz zu 64.000 bps wieder aus. In der Gegenstelle werden diese Füllbits dann wieder herausgenommen und weggeworfen. Für die Schichten oberhalb Ebene 1 stellt sich die Verbindung dann so dar, als wenn wirklich nur 38.400 bps über die Leitung gehen würden. V.110 bremst also die ISDN-Geschwindigkeit theoretisch auf bis zu 300 bps herunter. In der Praxis geht dies bis 9.600 bps.
Im Gegensatz zu X.75, bei dem es ja Probleme mit den Zusatzparametern geben kann, gibt es bei V.110 feste Standards, die dafür sorgen, dass V.110 auch V.110 ist. Einzig die Bitrate (300 bis 38.400 bps) muss bei den beiden Kommunikationspartnern übereinstimmen. Inzwischen leisten aber manche ISDN-Adapter die automatische Erkennung der Bitrate des Gegenübers.
V.110 wird bei manchen Mailboxen,
Zugängen zu Online-Diensten (z.B. Compuserve, V.110 mit 38.400
bps) oder auch DATEX-P-Zugängen (P20I, V.110 mit 9.600 bps)
verwendet.
V.120 (Schicht 2-Protokoll)
V.120 ist das amerikanische ISDN-Standardprotokoll für Terminaladapter. Hierzulande kommt V.120 deshalb vor allem beim Datenaustausch mit den USA ins Spiel. Auch die Compuserve-Zugangsknoten bieten neben V.110 und X.75 auch V.120 als Protokoll an.
V.120 ist von den Aufgaben her mit
X.75 vergleichbar. Auch bei V.120 wird HDLC zur Fehlererkenung
verwendet. Da in den USA vielfach mit 56 kbit/s gearbeitet wird,
sollte Ihr ISDN-Adapter für diese Anwendung V.120 mit 56 kbit/s
unterstützen.
Ebene 3 Protokolle (Vermittlungsschicht)
Das Ebene 3 Protokoll werden Sie normalerweise nur einstellen müssen ,wenn Sie direkt mit einem Gegenüber Daten austauschen wollen. Hier gibt es die Varianten ISO 8208 (Euro-Filetransfer, X.25 DTE-DTE), T.70 NL (NL für Network Layer) oder T.90 NL. T.70NL und ISO 8208 sind Schicht 3-Protokolle, während die Verordnung T.90 z.B. Festlegungen über die Implementierung des X.75-Protokolls enthält.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Verordnung auch ein Verfahren enthält, wie ein Anrufer feststellen kann, ob der Gegenüber nun mit T.70 NL oder ISO 8208 arbeitet. Unterstützt Ihre ISDN-Karte also T.90 NL, dann kann sie damit selbst erkennen, welches Protokoll es auf Ebene 3 verwenden soll. Stellen Sie ISO 8208 ein und ihr Gegenüber T.70 NL, dann kommt keine Verbindung zustande. Stellen Sie aber T.90 NL ein, kann sich Ihre ISDN-Karte auf das Protokoll des Gegenübers einstellen.
cFos für Windows (unter Windows 95) oder ISDN-Modems anderer Hersteller machen es Ihnen häufig leicht mit der Konfiguration der Protokolle. Wenn Sie bei cFos z.B. unter "Modems - Hinzufügen - Modem auswählen - Diskette" das cFos-Verzeichnis auswählen, bietet Ihnen die Datei MDMCFOS.INF schon eine Reihe vorkonfigurierter Modems an. Wenn Sie das Protokoll wissen, das Sie brauchen, müssen Sie nicht auch noch nicht AT-Befehle aus der cFos-Dokumentation heraussuchen, um das gewünschte Protokoll zu konfigurieren. Das macht das ausgewählte cFos-Modem automatisch.